Alfa Romeo Giulia Spitzenmodell bis 307 km/h
Die Motorenpalette der Giulia ist zunächst auf einen 2,2-Liter-Diesel beschränkt, der in drei Leistungsstufen angeboten wird. Er ist der erste von Alfa Romeo gefertigte Vollaluminium-Selbstzünder und liefert als Basisversion 100 kW/136 PS und 380 Newtonmeter Drehmomentspitze (33.100 Euro). Auf 110 kW/150 PS bringt es die kräftigere Version für 34.100 Euro, die ein gleich hohes Drehmoment abgibt. Vorläufiger Spitzendiesel ist der 132 kW/180 PS und 450 Nm Drehmoment leistende Vierzylinder, mit dem die Giulia 37.400 Euro kostet. Im Herbst sollen zwei Vierzylinder-Turbobenziner mit zwei Liter Hubraum und 147 kW/200 PS sowie 205 kW/280 PS folgen. Außerdem die Allrad-angetriebene Veloce-Version, die unter anderem als Diesel mit 154 kW/210 PS angeboten werden soll. Auch dann noch wird der heute einzige Benziner, ein V6 mit 2,9 Liter Hubraum und 375 kW/510 PS in der Giulia Quadrifoglio eine Sonderstellung einnehmen. Mit einer Motorhaube und einem Dach aus Carbon, Kotflügeln vorn und allen vier Türen aus Aluminium kommt sie auf 1.580 Kilogramm und 2,93 PS/kg Leistungsgewicht. Auch ihr Motor ist eine Neuentwicklung und mit einem Zylinderwinkel von 90 Grad kein Ableger des Dreiliter-Triebwerks der Schwestermarke Maserati. 600 Nm Drehmoment gibt das doppelt aufgeladene Aggregat ab, es beschleunigt die Giulia Quadrifoglio in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 und macht das Spitzenmodell 307 km/h schnell. Für höheren Anpressdruck fährt vorn eine Spoilerlippe bei 120 km/h elektrisch aus, an der Hinterachse wirkt ein elektrisch betriebenes Sperrdifferenzial dem Radschlupf entgegen und beaufschlagt obendrein das kurveninnere Rad mit höherem Drehmoment. Das hilft beim Herausbeschleunigen aus Kurven wesentlich.
Der Preis des Topmodells bewegt sich in Gefilden, die Fahrern eines BMW M4 oder eines Mercedes C63 AMG als eher günstig erscheinen dürften - 71.800 Euro verlangt Alfa Romeo für das Paradestück. Während die Giulia Quadrifoglio auf einem Rundkurs ebenso gut wie auf öffentlichen Straßen aufgehoben ist, geben die ebenfalls Mitte Juni bei den Händlern erscheinenden Diesel eine kaum schlechtere Figur ab. Besonders die 180-PS-Version beweist flinken Antritt, die Lenkung ist die wohl direkteste in dieser Klasse und der Federungskomfort keineswegs minderbemittelt. Zwar raunzt das Triebwerk in allen Lebenslagen vernehmlich vor sich hin, klingt dabei aber eher kraftvoll als angestrengt. Leichtes Hakeln stört beim handgeschalteten Sechsganggetriebe, die sanft und präzise arbeitende Automatik ist zweifelsohne die bessere Wahl.
Die Ziele, die Alfa Romeo mit der Giulia verfolgt, sind anspruchsvoll. 4.000 Exemplare will die Marke in Deutschland innerhalb von 12 Monaten verkaufen. Insgesamt soll der Absatz der Fiat-Tochtermarke im nächsten Jahr auf 400.000 Einheiten auf dem Globus steigen, im vergangenen Jahr waren es noch 70.000. Entscheidend für das Erreichen des Ziels wird die Akzeptanz sein, die Alfa Romeo auf den Märkten in China und den Vereinigten Staaten widerfährt. Im Reich der Mitte wollen die Italiener erstmals, in Amerika erneut antreten. Zu wünschen ist ihnen der Erfolg, denn ohne diesen würde auch der klangvollste Name nicht vor den unerbittlichen Entscheidungen von Unternehmenschef Marchionne schützen.
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