Kombis weltweit
In den USA, wo einst die Wiege des Kombis gestanden hat, führt derzeit kein einziger der großen einheimischen Hersteller einen klassischen Kombi im Programm. In China sind Kombis ebenfalls so gut wie unbekannt. Während im Reich der Mitte in diesem Jahr mehr als sechs Millionen SUV zugelassen werden, kommen Kombis nur mühsam auf eine sechsstellige Zulassungszahl. In den USA sieht es ähnlich aus. Die SUV dominieren in diesem Jahr ebenfalls mit rund sechs Millionen Neuwagen den Markt. Dagegen laufen Kombis unter „ferner liefen“.
Traurig, angesichts der Tatsache, dass 2016 der Kombi seinen 100sten Geburtstag feiern kann. „Station“ oder „Suburban“ lauteten die Bezeichnungen für die ersten Kombis. Direkte Nachfahren der Pferdekutschen gleichen Namens. Ein von Pferden gezogener „Station Wagon“ zeichnete sich durch hochgezogene Seitenwände aus, verfügte teilweise auch über ein Dach als Wetterschutz und erlaubte, Menschen und Waren geschützt zu transportieren. Der erste automobile Kombi war laut offiziellem Kaufprospekt der Station Wagon „Suburban“ des US-Herstellers Hatfield, der exakt diese Eigenschaften erstmals auf ein Auto übertragen hatte.
In den 30ern des letzten Jahrhunderts nahmen die Kombis in den USA richtig Fahrt auf. Die Aufbauten der Sonderkarosserien entstanden teilweise aus Holz, was diesen Kombis die Bezeichnung „Woodie“ eintrug. Vor allem als es ab den Vierzigern technisch möglich war, Holzfurnier auf die Belechteile der Karosserieseiten aufzutragen, und dem Holz somit die Rolle als gestalterisches Element zuzuweisen. Hotels entdeckten die Fahrzeugform als ideale Autos, um Gäste zu transportieren und als „Estate Car“ dienten Luxuriös ausgestattete Kombis als standesgemäße Autos, um damit am Wochenende den Landsitz zu besuchen. Ab den Vierzigern führte jeder namhafte Hersteller Amerikas Kombi-Modelle im Programm.
In Deutschland emanzipierten sich die Kombis ab den Sechzigern von den nüchternen Transportmitteln des Einzelhandels und Handwerks zu begehrten Familienautos. 1961 präsentierte Volkswagen den 1500 als Stufenhecklimousine und gleichzeitig als Kombi „Variant“. Damit öffnete sich das Segment ganz neuen Käuferschichten, die sich zuvor unter meist gewerblichen Aspekten bei einem „Turnier“ von Ford oder einem „Caravan“ von Opel bedient hatten.
Den „Ritterschlag“ erhielten die deutschen Kombis, als Mercedes-Benz 1978 die Palette der E-Klasse mit dem T-Modell als Kombi erweiterte. Damit war sozusagen der Livestyle-Kombi geboren und der Nutzwert solcher Kombis orientierte sich nicht mehr an der Anzahl von Broccoli-Kisten, die der Heckbereich fasst, sondern an Golftaschen und Weinkisten aus dem Toskana-Kurzurlaub.
Ein Blick auf einen der populärsten Kombis zeigt, warum eine Limousine im direkten Vergleich mit einem Kombi immer etwas älter aussieht: Während beim Skoda Octavia die Limousine bereits ein respektables Gepäckraumvolumen von 590 Liter aufweist, fängt der Combi erst bei 610 Liter an. Mit umgeklappten Rücksitzen lassen sich sogar maximal 1740 Liter Transportvolumen realisieren. Daneben sind Kombis weder größer, noch schwerer als ihre Basislimousinen. Sie erreichen bei identischen Motorisierungen die gleichen Fahrleistungen und fordern darüber hinaus keinen Mehrverbrauch.