Extreme Fahrleistung im S-Klasse Cabrio
Dafür gehen Dream-Maschinen ans Werk: Zunächst nur drei Motorisierungen sorgen im S-Cabrio für Sportwagen-Fahrleistungen: Im
S 500 geht es dank 335 kW/455 PS so schnell voran, dass die Windsbräute kaum mehr mitkommen. In 4,6 Sekunden erreicht das rund 2,2 Tonnen wiegende Cabrio aus dem Stand 100 km/h, 250 km/h sind möglich, aber da gerät die Frisur trotz raffinierter Windschutz-Einrichtungen durchaus in Gefahr. Noch zügiger ist die AMG-Version unterwegs: Mit 430 kW/585 PS aus 5,4 Liter Hubraum wird unter voller Last aus dem Stand in 3,9 Sekunden auf 100 km/h gesprintet. Der von den AMG-Leistungsspezialisten bearbeitete V8 legt alle Zurückhaltung ab, der Donnergott Thor erhebt seinen Hammer und schmettert ihn akustisch auf alles andere, was da noch auf vier Rädern unterwegs sein mag. Aber die Bräute des Windes werden immer kräftiger. Ohne die Abregelung bei 250 km/h wäre der AMG 63 wohl zu 300 km/h fähig. Eher aus Prestige-, denn aus Leistungsgründen existiert der AMG S 65 mit V12 und 463 kW/630 PS, mit seinem dynamischen Monument des Motorenbaus: Eintausend Newtonmeter Drehmoment wollen taktvoll verwaltet werden und die Abregelung greift auch hier. Aber bei 300 km/h wäre die Frisur nicht nur gefährdet, sondern am Ende. Laut Normmessung sind S 500 und AMG S 63 mit 8,5 oder 10,4 Liter Super oder Super Plus zufrieden, aber nur auf dem Papier. Erste Probefahrten förderten Verbrauchswerte um 13 bis 20 Liter für 100 Kilometer auf den Rechner. Bei hohem Dauertempo auf deutscher Autobahn liegen die Schluckwerte sicher noch höher. Denn die 2,2-Tonner sind jederzeit sicher und eben so schnell zu fahren, wie erlaubt.
Weil die Motoren mit hoher Durchzugskraft aufwarten, die serienmäßig automatisch schaltenden Getriebe sehr wachsame Aggregate sind und die aufwendigen Fahrwerke hohe Sicherheits-Reserven bereit halten, lassen sich mit satter Beschleunigung aus Kurven und Kehren heraus trotz gesetzlicher Limits angenehme Reisedurchschnitte erzielen. Das gilt auch für den nach oben grenzenlos offenen Zustand. Bis zu 60 km/h lässt sich das Verdeck innerhalb von zwanzig Sekunden während der Fahrt öffnen und schließen und wenn alle Mechanismen eingerastet sind, dann sitzt die mehrlagig isolierte Mütze fast wie ein festes Dach. Störende Windgeräusche waren bei ersten Probefahrten erst jenseits von 200 km/h zu vernehmen.
Natürlich ist diese Form der Dachfreiheit in einem Mercedes keine unbequeme Lebensform. Raffinierte Heizmechanismen mit heißer Luft aus der Kopfstütze für den Nacken und die leistungsstarke Klimaautomatik holen auch bei niedrigeren Außentemperaturen den Frühling ins S-Cabrio. Luftfederung und etliche Assistenzsysteme sind ebenso serienmäßig wie der jetzt pyrotechnisch auslösbare Überrollschutz.
Serienmäßig und ohne Aufpreis liegt das Gewicht der Sonne auf dem S-Klasse Cabriolet. Es basiert auf dem Coupé der Oberklassenbaureihe und es setzt eine Tradition fort, die nie wirklich beendet wurde. Denn die unverwüstlichen Oldtimer bestätigen auch in hohem Alter den Mercedes-Anspruch: Wir bauen das komfortabelste Cabriolet der Welt, tönt die Marke, und jeder weiß, dass aus der BMW-Group der neue Rolls-Royce Dawn kommt. Unter dem Mercedes-Stern lebt der alte Schwaben-Ehrgeiz auf. Es könnte ihnen im S-Cabrio höchstens der Himmel auf den Kopf fallen.
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